zu gut

,Entschuldigung', sagt die junge Frau an der Theke der Bäckerei, als sie mir den Cappucino reicht, ,ich habe es wieder mal zu gut gemeint!' Sie reicht mir den Becher in Zeitlupe, darauf bedacht, dass der Milchschaum nicht überläuft. ,Kein Problem,' sage ich, als ich den Becher langsam mit der Konzentration eines Mikadospielers entgegen nehme. Ich bin schon auf dem Weg zur Tür, als ich noch anhänge: ,Zu gut meinen kann nie ein Problem sein.' Doch ich weiss nicht, ob sie das noch mitkriegt. Mir aber geht der Gedanke nach, dass man sich dafür entschuldigen kann, es zu gut zu meinen. Die Frühlingssonne, die mich vor der Bäckerei erwartet, müsste das irgendwie auch tun. Und ich träume einen Moment von einer Welt, in der Menschen es so gut miteinander meinen, dass sie sich nur noch dafür entschuldigen müssen. Das wär ein Frühling. Philipp Roth philipp.roth@kgbb.ch